Leider heißt es schon wieder Abschiednehmen. Die Zeit in Le Vernet ist abgelaufen.
Auf der Rückfahrt mit dem Mietwagen legen wir einen Zwischenstopp in Les Mées ein. Dieser Ort ist durch eine bizarre Felsgruppe bekannt, die weithin sichtbar ist.
Sie wird die Pénitents, in Übersetzung die Büßer genannt. Und in der Tat lassen sich in den Gebilden mit ein wenig Fantasie Mönche, gekleidet in Kutten, erkennen.
Die Streckenführung vom Flugplatz nach Le Vernet führt direkt an ihnen vorbei.
Bei einem Felssturz, der in der Presse als spektakulär bezeichnet wird, sind mehrere Häuser, eines davon komplett, zerstört worden. Es ist ein Wunder, dass niemand verletzt wurde. Ursache waren die starken Regenfälle der letzten Tage. Sie brachten tonnenschweres Gestein zum Abrutschen. Die Bewohner des vollständig zermalmten Gebäudes sollen zum Zeitpunkt des Abbruchs auf Arbeit gewesen sein. Ihr Glück. Sie sind am Tod vorbeigeschrammt.
Spontan stoppen wir, um uns die Zerstörung anzusehen. Es ist abgesperrt. Hervé sagte uns, dass die Einwohner, die dicht am Felsen wohnen, total verunsichert sind.

Auf dem Flugplatz von Marseille müssen wir außergewöhnlich lange auf den Rückflug warten. Es wurden technische Probleme angegeben.
Mit einer 1½-stündigen Verzögerung saßen wir endlich in einem Flieger. Wir bangen um den Anschlussflug von Frankfurt nach Leipzig. Noch in der Maschine werden die umgebuchten Anschlüsse bekannt gegeben. Unser Endziel, in vielen Sprachen genannt, ist nicht dabei. Wir atmen auf, sind froh, dass wir den Anschlussflieger trotz der Verspätung erreichen würden. Wir sind sicher, dass er auf uns wartet. Die Angehörigen-Betreuung der Lufthansa hat uns bei dem vergangen Treffen mitgeteilt, dass wir im Fall einer Flugunregelmäßigkeit eine Information über den Flugstatus oder eine Umbuchung auf einen Alternativflug per E-Mail oder SMS erhalten werden. Folglich haben wir für die Reise die Handynummer extra hinterlegt. Die E-Mail-Adresse ist der Fluglinie bereits bekannt. Da wir nichts bekommen haben, sind wir sicher, dass sich die Hektik lohnen wird. Und so jagen wir zum vorgegebenen, weit entfernten Gate mit Etagenwechsel durch die Hallen des Frankfurter Flugplatzes. Es befindet sich am entgegengesetzten Ende.
Aus der Ferne sehen wir, dass das Check-in abgeschlossen ist, der Schalter ist leer. Laut Anzeigetafel ist das Flugzeug soeben gestartet. Die Wut kraucht in uns hoch. Abgesehen davon, dass man uns nicht wie vorgesehen informiert hat, hätte die Maschine trotz der späten Stunde auf uns warten können, denn zur Ankunftszeit gegen Mitternacht ist auf dem Heimatflugplatz sowieso nichts mehr los.
Wir suchen in der riesigen Halle einen Ticketschalter oder besser, eine Information, die wir nach einigem Herumirren auch finden. Dort erst erfahren wir von einer bereits erfolgten Umbuchung. Ein Weiterflug ist für morgen früh, 7.00 Uhr festgelegt. Wir müssten in einem Frankfurter Hotel übernachten. Das war zu viel. Voller Zorn canceln wir Flug sowie Übernachtung und organisieren einen Mietwagen.
Zu nächtlicher Stunde kommen wir gut voran.
Gegen drei Uhr schließen wir unsere Wohnungstür auf.
© Brigitte Voß
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