– Korallenriffbestattung
Bei der Korallenriffbestattung wird die Asche eines Verstorbenen mit einem umweltfreundlichen, pH-neutralen Beton vermischt und zu einem sogenannten Reef Ball geformt. Er wird als Riffdenkmal bezeichnet, ist ein hohle, mit vielen Löchern versehene Halbkugel und weist eine raue Oberfläche auf. Das Gebilde wird auf dem Meeresgrund versenkt, wo es als künstliches Riff Meereslebewesen als Kinderstube und Lebensraum dient.
In Deutschland ist die Bestattungsform rechtlich nicht erlaubt und wohl auch nicht durchführbar. Ob Vermittlungen über entsprechende deutsche Bestattungsunternehmen möglich sind, weiß ich nicht. Durchgeführt wird sie vor allem vor den Küsten der USA und vieler weiterer Länder.
Für die Angehörigen und Verstorbenen zählt der Gedanke, dem Meer und der Natur etwas zurückzugeben.
– Weltraumbestattung
Mit einer Weltraumbestattung können sich abenteuerlustige Menschen, wenn sie es denn nicht im Leben geschafft haben, so wenigstens nach ihrem Ableben, einen lang gehegten Wunsch erfüllen, soweit das nötige Geld vorhanden ist. Er kann einen kleinen Teil seiner Krematoriumsasche (meist 1–7 g) in eine Mikrokapsel füllen und per Rakete ins Weltall schicken lassen – entweder in die Erdumlaufbahn, ins All oder zum Mond. Der Rest der Asche wird auf übliche Weise beigesetzt.
Derzeit ist die Weltraumbestattung vor allem in den USA und in Russland möglich. Diese Länder verfügen über die notwendigen Raketenstartbasen. Das Unternehmen Celestis Space Services ist seit 1997 in den USA der bekannteste Anbieter. In Russland werden solche Bestattungen vom Weltraumbahnhof Baikonur aus organisiert.
Spielarten der Weltraumbestattung:
suborbitaler Flug
Ein Teil der Asche des Verstorbenen gelangt in eine spezielle Kapsel, die individuell gekennzeichnet wird, um eine spätere Zuordnung zu gewährleisten. Eine Rakete bringt sie zusammen mit anderen Kapseln in eine Höhe von etwa 100 km. Dort überschreitet sie die Grenze zum Weltraum und kehrt anschließend per Fallschirm auf die Erde zurück. Es findet so eine Art Weltraum-Schnupperflug statt.
Die geborgene Kapsel dient oft als Erinnerungsstück für die Angehörigen.
Die bekannteste Firma ist Celestis Space Services aus den USA; von wo aus die Starts erfolgen.
orbitale Weltraumbestattung
Die Aschekapsel gelangt in eine niedrige Erdumlaufbahn, umkreist dort die Erde für Monate, sogar für Jahre und verglüht schließlich in der Atmosphäre wie eine Sternschnuppe.
In Deutschland sind Weltraumbestattungen nicht erlaubt – es fehlt die passende Infrastruktur, und außerdem gilt hier die Friedhofspflicht. Zwar können spezialisierte deutsche Bestatter eine Vermittlung anbieten, allerdings müsste dafür die Asche ins Ausland überführt werden – meist in die USA, was die Kosten zusätzlich erhöht.
Diese Art der Bestattung richtet sich an Menschen, die eine Verbindung zum Weltraum hatten (z.B. Wissenschaftler, Raumfahrt-Enthusiasten) oder sich eine außergewöhnliche, symbolische Beisetzung wünschen. Sie wird oft als Möglichkeit verstanden, „dem Himmel nahe zu sein“. Vielleicht steht sie auch für das Verlangen, Teil des Universums zu werden, oder sie versinnbildlicht Abenteuer, Freiheit und Unendlichkeit.
– Himmelsbestattung
Himmelsbestattungen sind in Tibet noch eine weit verbreitete Tradition, die tief im buddhistischen Glauben verwurzelt ist. Ähnliche Bestattungen waren bis Anfang des 20. Jahrhunderts auch in der Mongolei üblich, werden aber dort immer seltener durchgeführt.
Der Leichnam wird bewusst den Geiern und ähnlichen Aasfressern auf einem Berg überlassen. Vorher wird der Körper oft zerteilt, damit ihn die Tiere vollständig aufnehmen können. So schenkt er anderen Lebewesen Nahrung und fügt sich erneut in den Kreislauf der Natur ein. Vergänglichkeit und Wiedergeburt – ein tiefer Glaube findet seinen Ausdruck.
Die Form der Beisetzung hat zusätzlich praktische Gründe. In den Hochlagen Tibets gibt es kaum Wälder, sodass das Holz für Feuerbestattungen fehlt. Die Böden sind zudem hart und steinig, was eine Erdbestattung nahezu unmöglich macht.
Auch im alten Persien, wo ähnliche Landschaften vorherrschen, wurde die Himmelsbestattung praktiziert. Im Iran konnte ich die Türme des Schweigens besichtigen, die von dieser einstigen Bestattungsform erzählen (siehe mein Beitrag im Blog »Iran – magische Fremde«).
Für viele Menschen in unserer westlichen Welt mag diese Praxis zunächst befremdlich oder sogar erschreckend wirken. Doch hinter der alten Tradition steht eine tiefe spirituelle Haltung, die den Tod nicht als Ende, sondern als Teil eines großen natürlichen Kreislaufs versteht.
– Alkalische Hydrolyse
Die Methode ist ein moderner, ökologischer Prozess, bei dem der Leichnam in einem Druckbehälter mit einer alkalischen Lauge (z. B. Kalilauge oder Natronlauge) bei Temperaturen von etwa 150–160 °C zersetzt wird. Das Verfahren dauert wenige Stunden und zerlegt den Körper chemisch in seine Grundbestandteile, vor allem in Aminosäuren, Peptide, Zucker und Mineralien. Übrig bleiben die Knochenreste, die nach dem Trocknen gemahlen und ähnlich wie Asche in einer Urne beigesetzt werden können. Die Flüssigkeit, die während des Prozesses entsteht, ist mikrobiologisch steril und kann ohne Umweltbelastung im Abwasser entsorgt werden. Sie wird mit ihren wertvollen Bestandteilen wieder in den Naturkreislauf überführt.
Die Methode ist deutlich umweltfreundlicher als die herkömmliche Feuerbestattung, da sie weniger Energie verbraucht und keine schadstoffreichen Emissionen erzeugt. Sie hat das Potential für eine hohe Automatisierung und erfordert einen geringen Platzbedarf für die Beerdigung.
Allerdings frage ich mich, ob es nicht makaber ist, den Toten einfach in den Abfluss zu »kippen«? Das hat etwas menschlich Kaltes an sich, ist mir zu technisch und erscheint dem Verstorbenen gegenüber respektlos. Sicherlch wird es unterschiedliche Meinungen darüber geben.
In einigen US-Bundesstaaten (z.B. Minnesota, New Hampshire) sowie in Kanada, Großbritannien, Südafrika und Australien ist dieses Verfahren bereits zugelassen und wird angewendet. Der südafrikanische Erzbischof Desmond Tutu soll sich 2021 auf diese Weise bestatten lassen haben..
In Deutschland ist die Hydrolyse bisher nicht anerkannt.
– Promession
Das Verfahren wurde in Schweden entwickelt und patentiert, ist aber kommerziell noch nicht nutzbar. Die Erfinderin Susanne Wiigh-Mäsak verfolgte ein besonders nachhaltiges und würdiges Beisetzungskonzept für die Zukunft. Doch auch sie wurde entgegen ihrem Wunsch konventionell bestattet.
In Jönköping/Schweden gibt es eine Versuchsanlage, und das internationale Interesse wächst
In zwei Schritten wird der Verstorbene zunächst heruntergekühlt: Erst auf 18 Grad Minus, dann in Stickstoff getaucht und weiter auf 196 Grad Minus gefroren. Dadurch wird der Leichnam so zerbrechlich, dass eine gezielte Erschütterung ausreicht, um ihn in winzige Teilchen zerfallen zu lassen. Somit haben später die Mikroorganismen eine große Angriffsfläche und können die organischen Überreste relativ rasch zersetzen.
Dem entstandenen Granulat wird in einer Vakuumkammer das restliche Wasser entzogen, das etwa 70 Prozent des Körpers ausmacht.
In einer biologisch abbaubaren Urne kann es anschließend beerdigt werden.
Vorteile der Promession sind: die sehr schnelle technische Zerlegung, es erfolgt keinerlei Schadstofffreisetzung, und sie gilt als umweltfreundlich. Ein Nachteil ist der hohe Energiebedarf, da ein extremer Einsatz von Kälte notwendig ist.
Kritiker bemängeln, dass es sich um ein technisiertes Verfahren mit gewaltigem Effizienzpotenzial handelt, dem beim letzten Abschied jegliche Natürlichkeit und persönliche Würde verloren gehen.
© Brigitte Voß
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