02.02.2025, Sonntag – Bestattungsformen im Ausland – von Diamanten bis Almwiese

Je nach Kultur, Religion und Gesetzeslage gibt es weltweit eine Vielzahl von Bestattungsarten, die einem ständigen Wandel unterliegen. Neben den traditionellen Erd- und Feuerbestattungen gewinnen alternative, flexiblere Formen zunehmend an Bedeutung. Ausschlaggebend hierfür sind die individuellen Bedürfnisse sowie Aspekte der Nachhaltigkeit.
Wer in Deutschland eine ungewöhnliche Bestattung wünscht, kann die Asche oft ins Ausland überführen lassen, um dort andere Rituale durchzuführen.
Die steigenden Bestattungskosten führen zu kostengünstigeren Alternativen. Anonyme Begräbnisse oder gemeinschaftliche Grabfelder, wie sie hierzulande verbreitet sind, sind auch in anderen Ländern zu finden.
Ebenso wächst das Bedürfnis, Angehörige nicht mit Grabpflege oder hohen Kosten zu belasten, was minimalistische Ansätze fördert.
In Ländern wie der Schweiz oder den USA gibt es mehr Freiheiten, beispielsweise beim Verstreuen der Asche oder bei alternativen Bestattungsmethoden wie der Diamantbestattung.
In Deutschland gilt hingegen der sogenannte Friedhofszwang. In Bremen sind unter bestimmten Voraussetzungen individuellere Bestattungsarten möglich (zum Beispiel die Ascheverstreuung auf privatem Grund).

Luftbestattung
Bei der Luftbestattung wird die Asche des Verstorbenen aus einem Flugzeug, Hubschrauber oder einem Heißluftballon verstreut. Sie ist beispielsweise in den Nachbarländern Frankreich und der Schweiz erlaubt. Dort ist es auch möglich, die Asche auf privatem Grund zu verstreuen.

Almwiesenbestattung
Die Almwiesenbestattung ist eine Form der Luftbestattung. Dabei wird die Asche der verstorbenen Person auf einer Berg- oder Blumenwiese – meist in den Alpen – oder aus der Luft, zum Beispiel aus einem Heißluftballon, verstreut. In der Schweiz gibt es dafür eigens ausgewiesene Flächen, beispielsweise am Thunersee oder im Regionalen Naturpark Thal. Über deutsche Bestatter, die mit entsprechenden ausländischen Partnerinstituten zusammenarbeiten, kann eine solche Beisetzung organisiert werden.
Nach der Kremation wird die Asche in das betreffende Land überführt, in dem keine Pflicht existiert, auf einem Friedhof beerdigt zu werden.
Auf der Almwiese sind Grabsteine, künstliche Blumen, Kreuze oder namentliche Markierungen nicht erlaubt, um die Natürlichkeit und Anonymität zu wahren. Die Fläche ist frei zugänglich, feste Öffnungszeiten gibt es nicht. Die Pflege der Grabstätte übernimmt die Wiese selbst.

Felsbestattung in den Bergen
Diese Form der Bestattung spricht besonders naturverbundene Menschen an. Die Totenasche wird in einer biologisch abbaubaren Urne an einem Gemeinschafts-, persönlichen oder Familienfelsen beigesetzt, oder sie wird verstreut. Grabdekorationen und Blumenschmuck sind wie bei der Almwiesenbestattung ebenfalls verboten.
In Nachbarländern wie in der Schweiz ist sie im Gegensatz zu Deutschland erlaubt.

Diamantbestattung
Aus der Asche des Verstorbenen wird unter hohem Druck und hohen Temperaturen ein synthetischer Erinnerungsdiamant gefertigt, der als Erinnerungsstück dient. Hierzulande ist die Diamantbestattung möglich, wenn die Asche ins Ausland überführt wird, um dort einen Diamanten herstellen zu lassen. Er kann als Schmuck getragen werden, oder er wird in einer Urne beigesetzt.

Feuer-und Erdbestattungen
Die Feuerbestattung ist weltweit die vorherrschende Bestattungsform, oft aufgrund von Platzmangel oder kulturellen Vorlieben. Der Leichnam wird verbrannt, und die Asche wird in einer Urne bestattet, verstreut oder weiterverarbeitet. In Indien (Hinduismus) symbolisiert die Totenverbrennung die Befreiung der Seele vom Körper.
In islamisch geprägten und orthodoxen Ländern – etwa in Ägypten oder der Türkei – ist die Feuerbestattung aufgrund religiöser Vorschriften verboten. Hier wird die Erdbestattung praktiziert.
Im Islam wird der Leichnam in ein Leinentuch gehüllt und in die Erde gelegt, während in der orthodoxen Tradition eine Beisetzung im Sarg erfolgt. In beiden Glaubensrichtungen unterstreicht das Begräbnisritual den Glauben an die Unantastbarkeit des Körpers und die leibliche Auferstehung am Tag des Jüngsten Gerichts.

Baumbestattung – Capsula Mundi
Über die Friedwälder in Deutschland habe ich in dem Beitrag »Alternative Bestattungsformen in Deutschland« geschrieben. Die Asche wird in einer umweltfreundlichen, biologisch abbaubaren Urne im Wurzelbereich eines bereits vorhandenen Baumes beigesetzt, wodurch dieser als lebendes Denkmal dient.
Es gibt noch eine weitere Art der ökologischen Baumbestattung, die von italienischen Designern entwickelt wurde. Hierbei wird die Asche in eine eiförmige Kapsel gefüllt, die in der Erde bestattet wird und die sich ebenfalls naturfreundlich zersetzt. Im Gegensatz zum deutschen Bestattungswald wird erst nach der Beerdigung ein Baum darüber gesetzt. Meist kann er vorher individuell ausgesucht werden. So entsteht aus der Grabstelle ein Baumgrab. Das Ziel ist, nachhaltige Gedenkwälder »aus Verstorbenen« zu schaffen, statt traditionelle Friedhöfe mit Grabsteinen zu betreiben.
Künftig soll sogar der unversehrte Leichnam in Fötusstellung in eine größere Kapsel gelegt und anschließend ein Baum darauf gepflanzt werden. Die Kapseln zersetzen sich vollständig und liefern ihm sowie der Erde Nährstoffe. Der Tod soll so neues Leben hervorbringen – gepflegt wird nicht mehr ein Grab, sondern der Baum, wie es bei den Friedwäldern der Fall ist.
In Deutschland ist die Beisetzung der Asche in einer biologisch abbaubaren Kapsel auf zertifizierten Friedhöfen oder im Bestattungswald grundsätzlich zulässig. Für die Ganzkörperbestattung in einer Capsula-Mundi-Kapsel bestehen jedoch in den meisten Bundesländern rechtliche Hürden, da oft Holzsärge vorgeschrieben sind.

Fanbestattung
Eine Fanbestattung ist eine besondere Form der Beisetzung, bei der die persönliche Leidenschaft des Verstorbenen – etwa für einen Sportverein, eine Musikgruppe oder für ein anderes Hobby – im Mittelpunkt steht. Ziel ist es, ihm eine Beerdigung zu ermöglichen, die seinen früheren Interessen entspricht.
In Großbritannien können Fußballfans ihre Asche – beispielsweise bei Manchester United – im Stadion verstreuen oder in speziellen „Memorial Gardens“ beisetzen lassen. Dies ist grundsätzlich, aber nur eingeschränkt möglich und unterliegt strengen Vorgaben.
Der spanische Spitzenverein FC Barcelona betreibt in Stadionnähe eine eigene Urnenhalle. Sie bietet Platz für rund 23.000 Urnen.
Auch andere Vereine in Spanien (u. a. Atletico Madrid, Betis Sevilla, Espanyol) sowie in Argentinien (Boca Juniors) bieten Möglichkeiten zur Bestattung in unmittelbarer Nähe ihrer Stadien, teils in großen Urnenhallen. Diese Angebote sind beliebt, allerdings meist mit hohen Kosten verbunden.
In Deutschland verbietet das Friedhofsgesetz Beisetzungen auf entsprechenden Vereinsgeländen. Dennoch existieren Fanfriedhöfe, etwa am Hamburger Volksparkstadion (Hamburger SV) oder bei Schalke 04. Hierbei handelt es sich nicht um private Gelände des Vereins, sondern um speziell gestaltete Bereiche innerhalb kommunaler Friedhöfe in Stadionnähe. Rechtlich sind es somit normale Friedhöfe, die thematisch auf die Vereinsidentität ausgerichtet sind.
Fanbestattungen zeigen, wie sich persönliche Interessen sogar in der letzten Ruhestätte widerspiegeln können. Für Angehörige kann es tröstlich sein, zu wissen, dass der Verstorbene dort ruht, wo er zu Lebzeiten Freude, Gemeinschaft und Begeisterung erfahren hat. An diesem besonderen Ort wird für den Hinterbliebenen die Erinnerung an ihn lebendig und unmittelbar greifbar.
© Brigitte Voß


Entdecke mehr von SEELENRISSE

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Hinterlasse einen Kommentar