24.03.2019, Sonntag – vor vier Jahren, 10.41 Uhr, geschah es …

Vier Jahre ohne dich. Das sind:

48 Monate
208 Wochen und 5 Tage
1461 Tage
35 064 Stunden
2 103 840 Minuten
126 230 400 Sekunden

Je kleiner die Dimension, desto größer und erschreckender ist die Zahl, die durch die Aneinanderreihung der Ziffern schon optisch verdeutlicht, wie lange wir getrennt sind.
Eine Sekunde kann eine Ewigkeit sein. Du fehlst, dass es schmerzt.

Im Angesicht deines grausamen Todes möchte ich, nach all dieser Zeit, immer noch schreien. Leider funktioniert das nicht. Und so bleibt der Schrei in der Kehle stecken. Die anderen würden sich eh nur die Ohren zuhalten.
Wir vermissen dich so sehr, lieber Jens.

Ich habe viele Fragen, die keiner beantwortet:
Gibt es ein Leben nach dem Tod? Hast du das strahlende Licht gesehen, von denen beinah Gestorbene berichten? Vielleicht bis du froh, dass du dem irdischen Dasein entronnen bist, weil es dir in der anderen Welt besser gefällt?
Ist es gar so, wie folgender Trauerspruch behauptet?

Der Tod ist wie ein Horizont,
dieser ist nichts anderes als die Grenze unserer Wahrnehmung.
Wenn wir um einen Menschen trauern, freuen sich andere,
ihn hinter der Grenze wieder zu sehen.

In unserer Familie wurde in den letzten Monaten gestorben. Auf drei Beerdigungen nahmen wir von deiner Oma und den Tanten Abschied.
Sie sind alt geworden. Sie durften sterben. Sie haben ihr Leben gelebt.

Auf einer Trauerkarte für meine Tante las ich folgendes Zitat von Hermann Hesse:

Einschlafen dürfen, wenn man das Leben nicht mehr selbst gestalten kann, ist der Weg zu Freiheit und Trost für alle.

Dein Lebenslicht stemmte sich mit voller Kraft und erfolgreich gegen die Erschwernisse des Seins. Es war nicht vorgesehen, dass du von uns gehst. Du warst noch zu jung und gesund. Von Lebensmüdigkeit keine Spur.
Und plötzlich warst du tot, wurdest uns brutal genommen. Der Himmel verdunkelte sich, und wir blieben in einer nebligen Finsternis zurück. Die Orientierung fällt schwer.

Ich hoffe, dass es dir hinter der Linie des Horizontes, in der für uns (noch )fremden Welt, gut geht. Dass du Leichtigkeit verspürst und Spaß empfindest.
Bist du mit denjenigen, die dich in deinem kurzen Leben begleitet haben und nicht mehr unter uns weilen, wieder vereint?
Wir stellen uns gern vor, wie du die alten Damen der Familie im ewigen Licht empfangen hast. Du wirst sie erneut auf Trab gebracht haben. Leider können wir euer Lachen nicht hören. Die Fantasie lässt es glücklicherweise zu.

Kannst du umgekehrt aus der anderen Welt über den Horizont zurückschauen, dorthin, wo du einst gelebt hast?
Beobachtest du uns, wie wir das Weiterleben nach der Katastrophe meistern?
Sei versichert, wir schaffen es. Wir müssen, weil sich die Erde weiterdreht.
Ich spüre es: Du möchtest, dass wir mit Freude und Energie unser restliches Dasein genießen – auch ohne dich. Wir strengen uns an. Wir können wieder lachen und haben Ziele, zumindest Reiseziele.
Dir ist das nicht genug? Deine Stimme dringt aus der Ewigkeit zu uns herüber. Sie sagt:

»Genießt das Leben für mich mit, am besten doppelt.«

»Ach Jens, du weißt immer noch einen drauf zu setzen … Treffen wir uns erst mal in Le Vernet.«
© Brigitte Voß


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2 Gedanken zu “24.03.2019, Sonntag – vor vier Jahren, 10.41 Uhr, geschah es …”

  1. Ich bin mit meinen Gedanken und meinem Herzen bei Ihnen.

    „Die Erinnerung ist ein Fenster durch das ich Dich sehen kann, wann immer ich will.“

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