Wir besuchen die Eröffnung einer Kunstausstellung unter dem Titel »Das Tier im Blick« in Halle, die von der Kunststiftung Sachsen-Anhalt ausgerichtet wird. Es ist nicht irgendeine Ausstellung für uns, denn sie ist der Schmuckkünstlerin Juliane Noack gewidmet, die bei dem Flugzeugabsturz ihr Leben verlor. Angehörige aus Nordrhein-Westfalen sind ebenfalls eingetroffen.
Die junge Frau hatte 2013 ein Stipendium der Kunststiftung erhalten und erfuhr dadurch eine wertvolle Hilfe, ihre kreativen Fähigkeiten zu entfalten. Ihr künstlerischer Nachlass umfasst Schmuckobjekte, Skulpturen und Wandinstallationen. Die Familie Noack sowie ihr Lebensgefährte David Nowak führen ihr Werk fort, indem sie die Juliane Noack Künstlerförderung e.V. (Link siehe unten) ins Leben rufen. Dazu werben sie um finanzielle Unterstützung, auch mit dieser Ausstellung. Der Förderverein ist Vorbereitung für die geplante »Juliane Noack-Stiftung«, die jungen Künstlern unter die Arme greifen wird und dem Gedenken an die viel zu früh gestorbene Tochter dient.
Die Ausstellungseröffnung wird mit feierlichen Ansprachen eröffnet. Anwesend sind Vertreter der Kunst und der Politik: Manon Bursian, Direktorin der Kunsstiftung des Landes Sachsen-Anhalt, Dr. Reiner Haseloff, Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt, Prof. Dieter Hofmann, Rektor der Burg Giebichenstein sowie die Galeristin von Juliane Katrin Eitner. Die Reden würdigen die Künstlerin, die mit 30 Jahren bei dem grausamen Absturz ihr Leben verlor.
Der Ministerpräsident verspricht, sich um die Förderung junger Künstler zu kümmern.
Der Rektor liest mit Zustimmung der Eltern aus der Diplomarbeit und dem Tagebuch von Juliane vor. Ein Eintrag vom 24.03.2011 gibt mir zu denken. Die dazugehörende Seite, die er in die Höhe hält, damit sie die Anwesenden sehen können, enthält einen hineingeklebten Zettel, der vollkommen mit schwarzer Farbe ausgefüllt ist. Darüber steht der Kommentar von Juliane »alles schwarz«. Obwohl es sich um einen simplen Ausdruck des defekten Druckers handelt, lassen das Raunen im Publikum die Überraschung über die Merkwürdigkeit erkennen. Denn vier Jahre später, am 24.03.2015 stürzte sie in den französischen Alpen mit dem Flugzeug ab. Sie war schwanger.
Die Ausstellung zeigt aus Kupferblechen gefaltete Tiermasken sowie eine Fotoausstellung mit Porträts ihr nahestehender Personen, die den von ihr kreierten Schmuck tragen. Die Fotos stammen von Matthias Behne und Joerg Lipskoch.
Ihre Kunstwerke (Schmuckobjekte, Skulpturen und Wandinstallationen) zeugen von einer gewaltigen Fantasie. Juliane experimentierte gern mit Tierformen.
Sektumtrunk. Ich werde von einer Frau angesprochen, die ich noch nie persönlich gesehen habe, aber spontan zu erkennen glaube. »Ich bin Nancy«, bestätigt sie augenblicklich. Bisher kennen wir uns nur aus dem Internet – eine virtuelle Freundin. Sie kontaktierte mich einige Monate nach der Katastrophe, um mir ihre tiefe Empathie anzuvertrauen. Es folgte ein reger E-Mailaustausch mit unendlich langen Briefen. Sie ist eine fernere Angehörige des Sportreporters Hossein Javadi, der mit seinem Kollegen Milad Hojjatoleslami mit der Germanwings-Maschine in den Tod flog. Beide stammen aus dem Iran. Wir unterhalten uns recht intensiv. Der virtuelle Eindruck hatte mich nicht getäuscht. Wir wollen in Kontakt bleiben.
Folgende Stiftungen und Vereine wurden von Opfer-Angehörigen ins Leben gerufen, teilweise werden sie über den Hilfsfonds der Lufthansa unterstützt:
Die im Beitrag vorgestellte Fördervereins zum Aufbau einer Juliane Noack Künstlerförderung e.V.:
http://julianenoack.de/foerderverein/info/
Muradiye e.V. – Kinder sollen lachen
https://www.facebook.com/groups/1048304411858783/
Muradiye Lohman (Celik) kam bei dem Flugzeugabsturz im Alter von 38 Jahren auf einer Dienstreise in den französischen Alpen ums Leben. Sie war sozial sehr engagiert und hat stets einen Teil ihres Geldes für gemeinnützige Zwecke ausgegeben. Das möchte die Familie Celik mit dem Verein Muradiye e.V. fortsetzen. Sie wollen mit den Spenden Kindern und Jugendlichen, die in schwierigen Verhältnissen leben, helfen.
Elena Bleß-Stiftung (die Website wurde in die englische, französische und spanische Sprache übersetzt):
http://elena-bless-stiftung.de/
Die Halterner Schülerin Elena Bleß weilte mit ihren Klassenkameraden anlässlich eines Schüleraustauschprogramms in Barcelona. Auf dem Rückflug am 24.03.2015 wurde ihr Leben jäh beendet.
Sie liebte es, ins Ausland zu fliegen, Fremdsprachen zu lernen und fremde Kulturen kennenzulernen. Aus diesem Grunde haben ihre Eltern Annette und Dr. Martin Bleß eine Stiftung gegründet, die den Namen der Tochter trägt. Damit wollen sie den Austausch von jungen Menschen (Schulaustauschprogramme und Auslandspraktika) in Europa fördern.
Sebastian Stahl-Stiftung
http://www.sebastian-stahl-stiftung.de/
Andreas und Cornelia Stahl gründeten die Stiftung in Gedenken an ihren Sohn Sebastian, der mit Flug 4U9525 in den Tod flog. Der 24-jährige weilte mit den Freunden Larissa und Christopher in Barcelona, um die Stadt kennenzulernen. Sebastian liebte es, in seinem Heimatverein SG Langenhahn/ Rothenbach Fußball zu spielen. Daher werden mit den Zuwendungen Sportvereine im Westerwald mit Schwerpunkt Jugendsport unterstützt, aber auch schulische Einrichtungen und Kindertagesstätten.
Lea Drüppel Theater e.V.
https://www.lea-drueppel-theater.de/
Lea Drüppel befand sich unter den Opfern der Germanwingskatastrophe. Sie war eine der Schülerinnen des Halterner Josef-König-Gymnasiums und erlitt mit ihren Klassenkameraden, den zwei Lehrerinnen sowie allen anderen Insassen des Airbusses auf dem Rückflug von Barcelona nach Düsseldorf ein grausames Lebensende.
Lea sang gern Selbstkomponiertes und interessierte sich für die Schauspielerei.
Den Gedanken führte ihre Mutter Anne Drüppel mit der Idee fort, ein Theater für Kinder und Jugendliche aufzubauen.
Jetzt ist es eine Begegnungsstätte für Musik- und Theaterliebhaber, in der junge Menschen lernen, auf oder hinter der Bühne zu agieren. Es werden Musicals und Musiktheater aufgeführt.
© Brigitte Voß
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