09.09.2016, Freitag – das Projekt

Im Mai habe ich beim Kuratorium des Hilfsfonds einen Antrag zur Erteilung einer Zuwendung für die Übersetzung meines Blogs »Seelenrisse« in die englische, französische und spanische Sprache gestellt (siehe: »21.05.2016, Sonnabend – die »Seelenrisse« und der Hilfsfonds«). Lufthansa hatte diesen Fonds ins Leben gerufen, um die durch den Flugzeugabsturz zurückgebliebenen Waisen zu unterstützen, aber auch, um Projekte zu fördern, die Angehörige dem Gedenken an ihre so schmerzlich vermissten Lieben widmen möchten.
Auf Bitte des Kuratoriums präzisierte ich in der Folge einige Angaben zum Blog und fertigte einen Kostenvoranschlag an. Ich begab mich auf die unendliche Suche nach geeigneten Fachkräften.
Ich kontaktierte Muttersprachler, weil ich überzeugt bin, dass nur sie die Emotionen beim Übertragen in ihre Heimatsprache hautnah übermitteln können. Ich war erstaunt über die differierenden und hohen Honorare, die sie verlangten, obwohl alle drei die Gattung »literarische Übersetzung« zugrunde legten. Ich fand trotz Internet nichts passenderes und übermittelte die Ergebnisse mit zwiespältigen Gefühlen dem Kuratorium. Dessen Mitglieder diskutierten darüber und betrachteten das Projekt als förderungswürdig, allerdings sollte ich günstigere Angebote einzuholen. Ich freute mich über ihre Zustimmung und versuchte, dem zu entsprechen. Leider vergebens.
Emine, die bei der Katastrophe Muradiye, ihre Schwester, verloren hat, half mir liebens- und dankenswerterweise aus der Misere. Sie würde eine englischsprachige Übersetzerin kennen, die motiviert sei, einen geeigneteren Vorschlag zu unterbreiten, und helfen könne, für die restlichen Sprachen Übersetzer zu gewinnen. Sie habe die verstorbene Schwester gut gekannt und sei auch deshalb engagiert.
Letztendlich erklärten sich drei Übersetzerinnen bereit, die Aufgabe zu übernehmen. Ich war froh und reichte das günstigere Angebot ein.
Seit einigen Stunden weiß ich, dass die Abstimmung über den korrigierten Kostenvoranschlag positiv verlaufen ist. Ein kleiner Wermutstropfen ist dabei: Ich werde darauf hingewiesen, dass für die Zuwendung aus dem Hilfsfonds, eventuell eine Schenkungssteuer zu zahlen ist. Die Antwort, die der Lufthansa dazu vom Finanzamt vorliegt, klingt etwas schwammig. Immerhin kann ich die deutlich zuversichtliche Tendenz heraushören, dass keine diesbezügliche Steuer fällig sei. Ich werde das Risiko eingehen, denn der Blog liegt mir am Herzen. Die Freude über die Zustimmung ist enorm.
Mit den Übersetzerinnen habe ich mich bereits in Verbindung gesetzt. Ich bin froh, dass sie das Onlinetagebuch übersetzen wollen. Es ist gewiss eine fordernde Aufgabe, denke ich an die psychische Belastung. Sie tauchen in das Geschehen des Textes ein, sie sind mittendrin, um die passenden Formulierungen zu finden, die vor allen Dingen Gefühlslagen wiedergeben.
Das Tagebuch ist düster und packt die empathischen Seelen der Leser nicht mit Samthandschuhen an, doch das Leben ist rücksichtslos und fragt nicht danach. Ihnen steht es frei, ob sie sich mit den Beiträgen beschäftigen oder besser links liegen lassen.
Um so dankbarer bin ich meinen Übersetzerinnen und hoffe auf eine angenehme Zusammenarbeit. (Wer mehr über sie erfahren möchte, klickt auf den Menüpunkt »Übersetzer«.)

© Brigitte Voß


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